An dieser Küste liegen die Dinge fast immer getrennt: Es gibt das steinerne Dorf am Hang und den Badeort unten, und dazwischen liegt ein Anstieg. In Albenga nicht. Vom Bahnhof zu den freien Stränden sind es 469 Meter, etwa sieben Minuten zu Fuß, und in der Gegenrichtung, in derselben Entfernung, steht einer der besterhaltenen mittelalterlichen Kerne Liguriens.
Das ist das Erste, was man wissen sollte, denn es entscheidet, für wen sich die Reise lohnt.
Das älteste Gebäude Liguriens
In der Altstadt steht ein frühchristliches Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert: innen achteckig, außen zehneckig, Ende des 19. Jahrhunderts vom Architekten Alfredo d'Andrade restauriert.
Das ist keine Redewendung: Es ist das älteste noch stehende Gebäude Liguriens und eines der besterhaltenen Baptisterien Italiens. Innen bewahrt es ein trinitarisch-christologisches Mosaik aus derselben Zeit wie die großen Zyklen von Ravenna — also aus derselben Epoche, keine spätere Nachahmung.
Wenn Sie in Albenga eine Sache ansehen, dann diese.
Die hundert Türme, und warum es hundert sind
Albenga heißt Stadt der hundert Türme wegen der mittelalterlichen Türme, die die Adelsfamilien im 13. Jahrhundert errichteten. Interessant ist aber nicht ihre Zahl: Der Überlieferung nach musste man, um einen zu bauen, mindestens ein Schiff besitzen.
Die Türme waren weder Zierde noch Verteidigung: Sie waren ein aufgestelltes Schiffsregister. Wer die Dächer von Albenga betrachtet, liest die Liste der Familien, die eine Flotte hatten — in Stein geschrieben und achthundert Jahre später noch lesbar.
Unter den sichtbaren: der Torre Peloso Cepolla an der Piazza San Michele, heute Teil des römischen Schifffahrtsmuseums; der Torre Oddo in der Via Roma; der Torre della Paciotta an der Piazza Trincheri.
Das römische Schiff
Im Palazzo Peloso Cepolla, einem Bau des 17. Jahrhunderts, liegt das römische Schifffahrtsmuseum. Es zeigt Material aus einem römischen Frachtschiff, das zwischen 100 und 90 v. Chr. vor dieser Küste sank: eines der größten bekannten römischen Frachtwracks im westlichen Mittelmeer.
Es ist das Museum, das einen Besuch mit Jugendlichen am besten übersteht, und es ist die Verbindung zwischen den beiden Hälften der Stadt: Das Schiff im Museum gehörte zu demselben Gewerbe, das dreizehn Jahrhunderte später das Recht gab, einen Turm zu bauen.
Was es zu sehen gibt, steht in Albenga: was man zwischen Altstadt und Meer sieht.
Das Meer, das hier aus Sand besteht
Die Küste zieht sich über fast anderthalb Kilometer, mit freien und ausgestatteten Abschnitten, und der Sand ist fein, mit Kies gemischt.
Das gehört gesagt, weil es der Unterschied zum übrigen Ligurien ist: Hier geht es nicht darum, zwischen Felsen hinunterzuklettern oder den einen freien Strand mit erträglichem Grund zu finden. Es gibt Sand, und zwar anderthalb Kilometer davon.
Und von welchem Abschnitt auch immer sieht man dasselbe vor sich: die Insel Gallinara, Naturschutzgebiet, und der Grund, warum man Fotos von Albenga wiedererkennt.
Für wen es passt und für wen nicht
Es passt für alle, die Meer und Geschichte wollen, ohne wählen zu müssen, und für alle ohne Auto: Bahnhof, Strände und Altstadt liegen in derselben Viertelstunde zu Fuß. Es passt für Familien, wegen des Sandes und des flachen Wassers.
Es passt nicht für alle, die das Postkartendorf über dem Meer suchen — das ist Cervo oder Bussana Vecchia — und nicht für alle, die Glanz suchen: Albenga ist eine Arbeitsstadt mit einer landwirtschaftlichen Ebene im Rücken, kein für den Sommerurlaub gebauter Ort.
Wann hinfahren
- Mai, Juni und September: das beste Fenster. Gutes Meer, eine Altstadt, die man ohne Hitze gehen kann, niedrigere Preise.
- Juli und August: voll wie die ganze Küste, und die Altstadt ist mittags mühsam.
- Außerhalb der Saison: Baptisterium, Türme und Museum hängen nicht an der Jahreszeit, und die Stadt läuft weiter, weil sie nicht allein vom Tourismus lebt.
Wie viel Zeit man braucht
Ein halber Tag für die Altstadt mit Baptisterium und Museum. Ein ganzer Tag, um den Strand dazuzunehmen. Zwei, wenn auch die Insel dazu soll und der Luxus, nicht auf die Uhr zu sehen.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Albenga von den anderen Orten der Riviera?
Der Abstand zwischen seinen beiden Hälften: Vom Bahnhof zu den freien Stränden sind es 469 Meter, und in der Gegenrichtung, gleich weit entfernt, liegt einer der besterhaltenen mittelalterlichen Kerne Liguriens. Anderswo trennt ein Anstieg das Meer vom historischen Ort.
Welches ist das älteste Gebäude Liguriens?
Das frühchristliche Baptisterium von Albenga aus dem 5. Jahrhundert: innen achteckig, außen zehneckig, mit einem trinitarisch-christologischen Mosaik aus der Zeit der großen Zyklen von Ravenna.
Warum heißt Albenga Stadt der hundert Türme?
Wegen der Türme, die die Adelsfamilien im 13. Jahrhundert bauten. Der Überlieferung nach musste man, um einen zu errichten, mindestens ein Schiff besitzen: Die Türme sind faktisch das Register der Familien mit einer Flotte.
Sind die Strände von Albenga sandig?
Ja, auf fast anderthalb Kilometern, mit freien und ausgestatteten Abschnitten: feiner Sand, mit Kies gemischt. Einer der wenigen ligurischen Orte, wo Sand nicht die Ausnahme ist.
Wie viel Zeit braucht man für Albenga?
Ein halber Tag für die Altstadt mit Baptisterium und römischem Schifffahrtsmuseum, ein ganzer Tag mit Strand, zwei, um es ruhig angehen zu lassen.
